Fragen und Antworten

Allgemeine Informationen zu Fragen rund um die Amputation erhalten Sie bei Eurocom e. V. unter: www.eurocom-info.de/de/service/publikationen

Patientenrechte und -pflichten

Ab wann bekommt ein Prothesenträger einen neuen Schaft, ein neues Kniegelenk oder einen neuen Fuß? Wie häufig hat man Anspruch auf eine neue Versorgung?

Ein Prothesenträger hat Anspruch auf einen neuen Schaft, ein neues Kniegelenk oder einen neuen Fuß, wenn es erforderlich ist –

  • wenn der Schaft wegen Stumpfveränderungen nicht mehr passt,
  • wenn Kniegelenk und/oder Fuß defekt sind oder
  • aufgrund der gestiegenen Mobilität oder Gewichtsveränderung nicht mehr geeignet sind
  • oder ein alternatives Produkt eine erhebliche Verbesserung/Erleichterung für die Mobilität des Trägers bedeuten würde.

Grundsätzlich hat ein Prothesenträger Anspruch auf eine Versorgung nach dem neuesten Stand der Technik – bei Weiterentwicklungen, deren Nutzen für den Prothesenträger messbar ist, kann spätestens nach vier Jahren ein neuer Antrag gestellt werden. Es wird nicht jede Neuerung bewilligt werden, aber mit einer guten Begründung kann ein Antrag gestellt werden.

Muss ich mich einer Mobilitätsklasse zuordnen lassen?

Ja, aber das ist eine Momentaufnahme und kann sich mit Training und Nutzung der Prothese ändern – auf jeden Fall darauf hinweisen, dass das Ziel in der Verbesserung der Gehfähigkeit liegt

Was ist der Unterschied zwischen Mobilitätsklasse und Pflegestufe?

Beides ist nicht miteinander vergleichbar – bei der Pflegestufe ist Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung und ggf., aber nicht zwingend bei der Mobilität erforderlich. Es ist möglich, Hilfe bei der Grundpflege zu benötigen, aber in einer hohen Mobilitätsklasse eingruppiert zu sein (z. B. im Fall einer Doppelamputation wird Hilfe zum Anziehen der Prothesen benötigt, aber die Mobilität kann gut sein).

Was bedeutet, dass man ein Produkt nutzen können muss, um es zu bekommen?

Es macht keinen Sinn, z. B. ein elektronisches Kniegelenk zu beantragen, wenn der Träger sich vornehmlich im Rollstuhl fortbewegt. Die Gebrauchsvorteile, die ein Produkt bietet, müssen für den Träger abrufbar sein, sonst wäre eine Versorgung sinnlos und verschwendet.

Wie kann man nachweisen, dass man ein Produkt und seine Eigenschaften nutzt? Gibt es dafür eine einschlägige Richtlinie?

Eine Richtlinie gibt es nicht, der beste Nachweis ist der Augenschein. Per Video oder persönlich kann sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) oder der Kostenträger ansehen, wie der Träger das Produkt nutzt. Zudem gibt es für viele Produkte Tests oder Analysen, die einen solchen Nachweis erbringen.

Schließt ein hohes Alter eine aktive, ggf. teure High-Tech-Prothese aus?

Nein, das Alter darf keine Rolle spielen – wenn der ältere Mensch körperlich in der Lage ist, eine High-Tech-Prothese zu nutzen, hat er einen Anspruch darauf. Einige High-Tech-Prothesen wurden übrigens speziell für ältere Menschen entwickelt, um die Sturzgefahr zu minimieren.

Meine Kasse verweigert aufgrund meiner Doppelamputation (Knieexartikulation) eine computergesteuerte Prothesenversorgung. Aus wirtschaftlichen Gründen sei eine mechanische ausreichend, und da ich doppeltamputiert bin, könne ich laut Ablehnungsschreiben die Gebrauchsvorteilesowieso nicht nutzen. Was kann ich tun? Ist das rechtens?

Nein, es ist nicht rechtens – einen neuen Antrag stellen und bis zum Ende durchziehen.

Meine Kasse verweigert mir eine elektronische Beinprothese. Ich möchte den Mehrbetrag selbst zahlen – inwiefern betrifft das den regelmäßigen Service und Reparaturen? Muss ich das selbst finanzieren oder zahlt das meine Krankenkasse?

Wenn der Mehrbetrag selbst finanziert wird, müssen auch der Service und die Reparaturen selbst finanziert werden. Interessant wäre, zu erfahren, mit welcher Begründung die Kasse die elektronische Prothese verweigert. Das sollte nicht ohne weiteres akzeptiert werden.

Die prothetische Versorgung wurde durch meine Private Krankenversicherung vertraglich ausgeschlossen. Ist das rechtens?

Ja, die Private Krankenversicherung hat Vertragsfreiheit, sie kann besondere Risiken ausschließen.

Was bedeutet für mich als Oberschenkelamputierter bei meiner Privatversicherung der Basistarif?

Der Basistarif orientiert sich an den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Laut meiner Privatversicherung werde ich demnach nach den Richtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung versorgt. Bekomme ich damit eine hochwertige Prothese bzw. ein computergesteuertes Kniegelenk?

Ja, denn die Vorgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sehen eine Versorgung nach dem neuesten Stand der Technik vor.

Versorgung und Therapie

Wie lange muss ich meine Interimsprothese tragen?

Die Übergangsprothese ermöglicht die regelmäßige Nachpassung des Prothesenschafts an das sich verändernde Stumpfvolumen und muss für sechs Monate gebrauchsfähig sein. Sinnvoll ist es, dem Rat des betreuenden Meisters zu folgen – er kann beurteilen, wann es an der Zeit für die Definitiv-Versorgung ist. Je nach Ausmaß der Stumpfschwankungen wird die Interimsprothese kürzer oder länger getragen, um die Möglichkeit der Anpassung zu gewährleisten.