Gelenke und Passteile

Kniegelenke

Ist die Amputation höher als eine Unterschenkelamputation muss zwangsläufig in die Prothese ein Kniegelenk eingebaut werden. Bei der Vielzahl der angebotenen Modelle fällt einem die Auswahl schwer, wenn man ihr nicht bestimmte Kriterien zugrunde legt.
Bevor man sich aber mit den unterschiedlichen Modellen beschäftigt sollte man sich den Ablauf eines Doppelschrittes vergegenwärtigen.

Ablauf des Doppelschritts

Der menschliche Schritt lässt sich in zwei wesentliche Abschnitte unterteilen. 40% des Schrittes bestehen aus der Schwungphase, nämlich dem Anteil, wo das betreffende Bein nach vorn schwingt. 60% des Schrittes bestehen aus der Standphase, nämlich dem Anteil, bei dem das betreffende Bein auf dem Boden steht. Schwungphase und Standphase wechseln einander ab. Während das eine Bein in der Schwungphase ist befindet sich das andere in der Standphase und umgekehrt.

Das mechanische Kniegelenk muss also zwei Fähigkeiten aufweisen. Es muss sich in einer zu fordernden Art durchschwingen lassen und es muss es ermöglichen, dass man sicher darauf stehen kann.

Es gibt also zwei Eigenschaften die ein Kniegelenk genau beschreiben. Einmal die Art, wie es durchschwingt und andererseits, wie es den Stand sichert.

Aktivitätsphasen beim Schritt
Kniegelenk

Trennt man nun die Eigenschaften der einzelnen vorhandenen Kniegelenke und überlegt, welche Eigenschaften auf den Betroffenen aufgrund der Aktivität am wünschenswertesten sind, so kommt man zu dem Gelenk, welches am sinnvollsten einzusetzen ist.
Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass die Eigenschaften, die die Standphase sichern besonders bei Trägern wichtig sind, die eine geringe Aktivität aufweisen. Je aktiver ein Träger wird, je mehr kann man die Standphaseneigenschaften zugunsten der Schwungphaseneigenschaften vernachlässigen.

Auch der mögliche Kniebeugewinkel eines Kniegelenkes kann durchaus ein Kriterium sein, weshalb einige Kniegelenke für bestimmte Tätigkeiten nicht oder nur bedingt zu verwenden sind.

Für die Knieexartikulationen sind nur Gelenke geeignet, die in der Beugung sehr eng zusammenklappen und damit den ohnehin sehr langen Knieexstumpf beim sitzen nicht noch unnötig verlängern. Diese Eigenschaft weisen polyzentrische Gelenke auf, also Gelenke, die sich über mehrere Achsen beugen.