Oberarm

Der Schaft

Oberarm Schaft

Die Herstellung des Schaftes erfordert höchste Sorgfalt, um einen komfortablen Sitz und optimalen Nutzen zu gewährleisten. Denn schon die geringste Pseudoarthrose zwischen Stumpf und Schaft macht sich an der Prothesenhand bemerkbar, um ein Vielfaches verstärkt über den Hebelarm. 

Je kürzer der Stumpf, desto wichtiger ist deshalb ein enger Kraftschluss zwischen Stumpf und Schaft, damit ein präzises Führen und Bewegen der Hand überhaupt ermöglicht wird. Dafür ist ein voller Kontakt auf der ganzen Fläche zwischen Stumpf und Schaft erforderlich. 

Beim mittellangen oder noch kürzeren Oberarmstumpf reicht aber auch das nicht aus, im Gegensatz zu Amputationen im Ellbogenbereich oder zum langen Stumpf, dessen knöchernes Ende durch eine Osteotomie abgewinkelt wurde.

Der ideale Oberarmstumpf bietet dem Schaft:

  • Sichere Aufhängung
  • Rotationsstabilität
  • Freie Schulterbeweglichkeit.

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Mit diesen Voraussetzungen wird die Leistungsfähigkeit und damit die Akzeptanz der Prothese ganz wesentlich erhöht. Die entscheidende Grundlage ist ein Humerus, dessen flache Palette am distalen Ende mindestens teilweise erhalten werden konnte. Die zweitbeste Lösung ist die Herstellung eines Hakens beim langen Stumpf durch eine Winkelosteotomie am Humerus. Nur an solchen Stümpfen kann ein Schaft ohne Einschränkung der Schulterbeweglichkeit und ohne zusätzliche Bandagen sowohl in axialer Richtung als auch drehstabil sicher befestigt werden.

Ist die Amputation durch den Schaft des Humerus erfolgt, verhilft zwar die Silikon-Hafttechnik zur zuverlässigen Verankerung einer leichten passiven Prothese, doch für eine aktive Prothese fehlt die notwendige Drehstabilität. Diese Drehstabilität lässt sich nur verwirklichen, indem der Schaft das Schultergelenk vorne und hinten mit Pelotten umklammert oder sogar vollständig umgreift. Letztere Lösung ist bei kurzen Stümpfen nicht zu vermeiden. Die Sicherheit der Aufhängung hat den Vorrang.

Ein schulterübergreifender Schaft blockiert die Drehbewegungen. Als Ausgleich muss daher die Prothese über die Möglichkeit der sogenannten Sichelbewegung verfügen.

So wie sich Drehbewegungen des Unterarms technisch am besten am Handgelenk nachvollziehen lassen, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Rotationsbewegungen des Schultergelenks in der Transversalebene auf das Übergangsstück zwischen Oberarmschaft und Ellbogen zu verlagern. Dafür stehen Ellbogenpassteile mit drehbarem Eingussring (turntable) zwischen Ellbogen und Oberarmteil zur Verfügung. Diese Sichelbewegung erfolgt immer passiv, also mit der Hand der Gegenseite oder durch Anpressen an einen Widerstand.